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Absturz des Heilands Drucken
Geschrieben von: Jerome Kirschbaum   
Dienstag, 02. Februar 2010 um 10:02

Er ward gekommen als Heiland – durch Handauflegen und seinen linken Fuß sollte er Köln in die Glückseligkeit führen. Viele lauffaule Auftritte, tausend torlose Minuten und viel Frust später wurde Lukas Podolski – und damit ganz Köln – geerdet. Aber noch ist der Kredit von Prinz Poldi nicht aufgebraucht, ein kölsches Phänomen.

 

Als Podolski nach München ging und sich dort unter diversen Trainern nicht durchsetzte, hagelte es neben Verständnis auch viel Kritik für Podolski. Er sei trainingsfaul, zeige nach Einwechslungen nicht die gewünschte Begeisterung und hänge ohnehin immer noch an seiner Heimat Köln. Er und seine wachsende Familie um Freundin Monica und Sohn Luis sehnten sich nach Köln und dem Dom. Mit dem Sommer 2009 kam dann die Erlösung für Podolski und die Stadt am Rhein: Klub, Fans und externe Geldgeber konnten eine Rückkehr des Nationalspielers realisieren. Auf den ersten Blick schien die Lage simpel, denn Podolski war da, wo er eigentlich nie hätte weggehen sollen, und der FC hatte einen überaus talentierten Stürmer zurück ins gelobte Rheinland geholt.

 

 Doch schon früh entgegneten Kritiker, Podolski könne an den horrenden Erwartungen nur zerbrechen. Die Krux ist: Podolski wurde von vornherein in eine Rolle gepresst, die er nicht ausfüllen konnte. Der 24-Jährige ist nicht die typische Führungsfigur, die vorneweg marschiert. Wenn es nicht läuft, taucht er vielmehr unter und hadert mit sich selbst. Solche Führungsvakanzen existierten in Köln bedingt, diese konnte Podolski seinem Naturell nach erwartungsgemäß nicht füllen.  Wenn er aber in ein System eingebunden ist, läuft er rund. Die regelmäßig guten Auftritte in der Nationalelf zeigen das. Dort zuckt sein linker Fuß, dann reißt er auch Löcher und lässt sich clever hängen. Das aber ist in Köln nicht wirklich gegeben. Er ist die Galionsfigur, die zwar Verantwortung übernehmen will, diesen Erwartungen auf dem Spielfeld aber nicht gerecht wird. Podolski reißt partiell die Partie an sich, lässt sich jedoch zu sehr nach hinten fallen und fehlt dann in der Offensive. Alls das fußt auch auf einem Versäumnis der Kölner Verantwortlichen, denn alle Transferbemühungen um einen kreativen offensiven Mittelfeldspieler platzten.

So verhungert Podolski wahlweise im Sturmzentrum oder ist auf dem Flügel weitestgehend verschenkt. Auf dem Platz scheint er bei Pfiffen der eigenen Fans förmlich zu platzen. Frustfouls sind teilweise die Folge, manchmal stellt er den Dienst auch gänzlich ab. Ihm den Willen abzusprechen, wäre der falsche Ansatz. Dass er will ist ganz offensichtlich, bloß: Es fehlt an zählbaren Erfolgen seiner Bemühungen. Funktionieren kann der Fußballspieler Podolski dann, wenn Futter aus dem Mittelfeld geliefert wird – und auch das Tandem Podolski-Novakovic quietscht noch und lechzt nach Öl. Mit den letzten Auftritten in der Bundesliga kristallisierte sich immer mehr eine gute Rolle Adil Chihis auf dem Flügel heraus. Er könnte als einer der Podolski-Unterstützer fungieren. Mit Zoran Tosic kommt ein wahrer Offensivindividualist in die Domstadt, von dem auch Podolski profitieren könnte. So oder auch im eventuellen kick-and-rush der Hinrunde, wäre Podolski gut darin beraten, sich auf die einfachen Dinge im Fußball zu konzentrieren. Es verlangt keiner ernsthaft, dass er zur allgegenwärtigen Führungsfigur auf dem Platz avanciert. Aber den hängenden Kopf nach Fehlschüssen, -pässen oder missglückten Dribblings darf man in der Rückrunde nicht mehr allzu oft sehen. Der Nimbus Podolskis ist eisern in Köln, aber: es geht auch ohne ihn. Auf lange Sicht könnten jedoch nur wenige  Bundesligaklubs auf die Fähigkeiten eines Lukas Podolskis verzichten. Die Vereinsoberen um Manager Michael Meier und Präsident Wolfgang Overath haben nun das ihrige beigesteuert und den Ballverteiler Tosic für das lahmende Offensivspiel eingekauft. Jetzt ist auch Podolski selbst gefragt. Sollte Tosic einschlagen, wird man auch von Podolski mehr erwarten können – und müssen.