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3 Ecken ein Elfer
Best of Heft#7: Tour de Nord Drucken
Geschrieben von: Martin Thaler, Christoph Hoffmann und Alex Raack   
Dienstag, den 15. Februar 2011 um 11:50 Uhr

Was für ein wunderbarer Plan, der sich da beim achten Frischgezapften an einem Göttinger Tresen verfestigt hatte! Hoch nach Norddeutschland und Fußball da gucken, wo er noch ehrlich und authentisch ist. Keine herausgeputzten Fußballarenen, keine VIP-Logen, keine Fernsehberichterstattung, kein Reinhold Beckmann. Dafür drei Tage lang ungeschminkte Emotionen, Blutgrätschen und bezahlbare Stadionwurst. Eine Reise zurück in ruhmreiche Zeiten, in Orte, in denen Tradition alles bedeutet und die Hoffnung ewig lebt. Die Reiseziele der fußballverknallten Reisecrew: Meppen, Lübeck und Neumünster.

Freitag: Im Westen nichts Neues

Endlich Wochenende. Nachdem wir – drei mehr oder weniger begabte Studenten der Geistenwissenschaften– uns die Woche mit höchster Begeisterung der Perzeption Kaiser Zwentibolds oder Kants kategorischem Imperativ gewidmet hatten, war es nun endlich soweit. Am Abend stand das erste Spiel auf dem Programm, der SV Meppen empfing die Kickers aus Emden zum Spitzenspiel der Oberliga Niedersachsen-West. Also vollgetankt, rausgeputzt und unverschämt euphorisiert aufs Gaspedal gedrückt, denn das Emsland liegt nicht gerade um die Ecke. Fahrer Hoffmann wusste glücklicherweise was ein anständiger Bleifuss ist, drückte seinen Töppen dementsprechend nachhaltig auf das Gaspedal seines Mazda 121 und bretterte uns zügig ins Emsland.


Was hatten wir nicht alles von Meppen gehört! Naja, eigentlich nicht viel Gutes. Man munkelte, dass es eine Nacktdisko (!) in der Stadt gäbe, aber ansonsten war uns Meppen zuvor nur als Beleidigung begegnet. »Ich spiel doch nicht in Meppen«, hatte Toni Schumacher nach dem Abstieg seiner Schalker gesagt und sich postwendend in ein Flugzeug gen Istanbul gesetzt. Aber selbst Toni Schumacher kann sich ja mal irren. Unsere Stimmung zumindest war euphorisch: Das Wetter war prächtig, der Kofferraum voller Bier und Freizeit-Journalist Alex legte ausführlich und präzise dar, warum er Aaron Hunt eine  großartige Zukunft prophezeie. Die Zeit verflog aufgrund solch hanebüchener Geschichten natürlich wie im Fluge und so erreichten wir Meppen weit vor Zeitplan. Da von besagter Nacktdisko nichts zu sehen war, beschlossen wir unserer Reise einen internationalen Touch zu verpassen und ins benachbarte Holland rüber zu machen.

Unser Ziel hieß Emmen. Wer die Stadt nicht kennt: Emmen ist eine groteske Ansammlung aller möglichen Baumärkte mit angeschlossenem Zoo. Wer keine Koalas und Kängurus mag, kann zudem Fußball beim lokalen Zweitligisten FC Emmen genießen. Nachdem wir das Wachpersonal am Stadion mit ausgefuchsten Fahrmanövern verblüfft hatten, gönnten wir uns noch eine kurze Besichtigung des Stadions samt Vereinsgeländes, bis unsere Mägen uns schließlich signalisierten, dass der Wurstpegel gen Null tendierte. Also ab ins Stadion, Meppen gegen Emden. Wurst in die linke Hand, Bier in die rechte. Anpfiff.

 

 
Best of Heft#7: »Two Andy Gorams!« Drucken
Geschrieben von: Jan Leder   
Dienstag, den 15. Februar 2011 um 11:46 Uhr

»So etwas habe ich noch nicht gesehen«, stammelt ergriffen der Reporter der BBC und im Hintergrund wogt die Menge im Liverpooler Kop. Eine ganze Tribüne voller Männer singt verzückt »She loves you« von den Beatles. 1964 war das und seitdem hat sich die Gesangskultur auf den Rängen im Mutterland mannigfaltig entwickelt. Britische »Chants« gehören zu den einfallsreichsten, verrücktesten und witzigsten, die die internationalen Männer-Chöre im Stadion zu bieten haben. Eine kleine Auswahl britischen Humors.

 


»Park, Park, Where ever you may be
You eat dogs in your home country
it could be worse
You could be scouse
Eating rats in your council house«

(Manchester United-Fans bemühen zur Melodie von »Lord of the dance« alte kulinarische Klischees, um ihren Spieler Ji-Sung Park zu huldigen.)


»Two Andy Gorams, there's only two Andy Gorams«
(Zum stadiontauglichen Singsang von »Guantanamera« begrüßen die Fans von Celtic Glasgow Andy Goram. Kurz zuvor war bekannt geworden, dass der Torwart unter Schizophrenie leidet)

 
Best of Heft#7: Der Fan Drucken
Geschrieben von: Alex   
Dienstag, den 15. Februar 2011 um 11:42 Uhr

 

Zugegeben, das Projekt einen klassischen Fußball-Fan zu definieren ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Zu vielfältig ist die Ausprägung des F., es gibt ihn in blau, weiß, rot, grün, manchmal sogar in rosa. Den F. findet man überall.

Was also ist nun ein »echter« Fußballfan? Muss er rotzevoll an jedem Samstag in der U-Bahn auf Weg ins Stadion sitzen oder kann er gelegentlich auch sitzend im feinen Zwirn entdeckt werden? Groundhopper, Kutte, Ultra, Hooligan, Normalo, Edelfan, Trainingskiebitz, Modefan – wo soll man unterscheiden oder Grenzen setzen? Letztlich ist es, wie im normalen Leben: Man muss sie alle lernen zu akzeptieren, ob man will oder nicht.
Was nicht heißt, bestimmte Arten des F. als überdurchschnittlich sympathisch einzustufen. Sei es nun der ewige Trommler vom Bökelberg Manolo, der, nachdem ihm die Ärzte aufgrund eines Herzleidens den Besuch im Stadion verboten, einsam und selten besucht in einem Pflegeheim starb – mit gebrochenen Herzen. Oder der Rangers-Supporter, der seinem erstgeborenen Sohn elf Vornamen gab: Die des Meisterteams seines Lieblingsklubs. Vielleicht auch Thierry Henry, seines Zeichens einer der besten Offensivspieler des abgelaufenen Jahrzehnts, der in seiner Freizeit was tut? Fußball gucken. Sämtliche Ligen rauf und runter. Greuther Fürth gegen Wehen Wiesbaden inklusive.


In diesem Sinne: Auf das die Spezies des F. weiterhin so undefiniert und wildwüchsig bleibt. Echte Leidenschaft stirbt niemals aus. Hoffentlich.

 
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