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3 Ecken ein Elfer
Von Anglern und Nazis Drucken
Geschrieben von: Alex   
Mittwoch, 07. Juli 2010 um 12:52

Wer hätte das gedacht: Mit Maarten Steeklenburg im Tor steht Holland im Finale der Weltmeisterschaft 2010. Wir blicken zurück auf die Geschichte holländischer WM-Keeper. Nazis, Angler und Bären. 

 

Gejus van der Meulen (WM 1934 in Italien)

Im Januar 1903 mit dem wunderlichen Vornamen Ageaus Yme in Amsterdam geboren, hatte sich »Gejus« van der Meulen kurz vor der Weltmeisterschaft in Italien eigentlich schon längst vom Fußballsport verabschiedet – er arbeitete als Kinderarzt in Haarlem. Weil sich bei Hollands erster Teilnahme an diesem Turnier aber partout kein kompetenterer Keeper finden lassen wollte, überredete man den Torwart der Olympiaauswahl von 1924 und 1928 sich noch ein weiteres Mal zwischen die Pfosten von »Oranje« zu stellen. Hätte er es mal besser gelassen. Nach einer traurigen 2:3-Pleite gegen die Schweiz war die WM auch schon wieder beendet für den Olympia-Dritten von 1924. Van der Meulen beendete seine aktive Karriere gleich nach der Ankunft in der Heimat. Erst Jahre später geriet er erneut in die Schlagzeilen, weil er sich 1941 nach dem Einmarsch der Nazis freiwillig im Feldlazarett einer SS-Legion gemeldet hatte und den Kriegstreibern gar bis an die Ostfront folgte. Er starb 1972.

Adri van Male (WM 1938)

Dem gebürtigen Philippinen wurde bei dem dritten WM-Turnier 1938 in Frankreich eine besondere und zugleich sonderbare Ehre zuteil: Die internationale Presse kürte van Male zum besten Torwart des Turniers. Dabei war für Holland nach nur einem Spiel im Achtelfinale gegen die Tschechoslowakei schon wieder alles vorbei und van Male hatte dreimal hinter sich greifen müssen. Allerdings erst in der Verlängerung, zuvor hatte Hollands Nummer Eins 90 Minuten lang den Offensivbemühungen der Weltstars Oldrich Nejedly und Josef Zeman widerstanden. Eine Verletzung im Frühjahr 1940 stoppte seine Laufbahn. Adri van Male starb am 11. Oktober 1990.

 

 
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Life is live Drucken
Geschrieben von: Alex   
Donnerstag, 01. Juli 2010 um 10:57

Diego Maradona ist ein Wahnsinniger. Ein Verrückter, der sein Herz auf der Zunge trägt. Und gerade deshalb ist er so viel beliebter als Vorzeige-Fußballer wie Pelé oder glatte Modernisierer á la Joachim Löw.

Fußball ist vieles. Fußball, wie er den Menschen, die ihn lieben, in Erinnerung bleibt, ist vor allem gnadenloser, romantischer Kitsch. Und genau deshalb ist Diego Armando Maradona, knapp 13 Jahre nach seinem letzten Pflichtspiel, noch immer der beliebteste Fußballer des Planeten.

Nichts gegen Joachim Löw. Der deutsche Nationaltrainer ist ganz offensichtlich ein toller Turnier-Trainer und sicherlich auch ein Bombentyp. Aber wenn am Samstag Deutschlands Löw gegen Maradonas Argentinien spielt, dann ist Joachim Löw nur noch Übungsleiter einer Fußball-Mannschaft. Diego Maradona ist viel mehr.

Er war fett und die Nase brannte noch nach Koks

Wer das Glück hatte, ihn spielen zu sehen, der sagt noch heute – bei all den Messis und Ronaldos – es gibt niemanden, der ihm das Wasser reichen kann. Thomas Müller, das deutsche WM-Wunderkind, wurde von Diego Maradona bei einer Pressekonferenz nach dem Freundschaftsspiel gegen Argentinien im März 2010 zwar von der Bühne verscheucht und ist zu jung, um ihn je live in seiner Blütezeit Fußball erlebt zu haben – er sagt aber: »Ich habe ihn nur einmal gesehen – beim Abschiedsspiel von Lothar Matthäus. Da hatte er schon ein paar Kilo Übergewicht – aber was er mit dem Ball gemacht hat, war Wahnsinn.« Damals war Maradona schon längst fett und die Nase brannte noch nach Koks. Aber es hat noch gereicht, damit sich ein junger Fußballer auf dem Weg nach oben in ihn verliebte.

Maradona war ein von Gott beschenktes Jahrhunderttalent. Ein Heilsbringer für sein Heimatland Argentinien, das er mit zwei sagenhaften Toren gegen England verzückte und damit alles wieder ins rechte Licht rückte, obwohl gerade dieses England Argentinien auf einer abgelegenen Insel mit Raketen und Gewehren in den Arsch getreten hatte. Maradona wechselte für viel Geld urplötzlich zum SSC Neapel, einem Klub in Italiens Norden; und damit dem Abschaum der Serie A; und dass dieses unglaublich viele Geld möglicherweise nicht ganz sauber war, hat bald keinen mehr gestört. Diego setzte Neapel 1987 zum ersten Mal in der Geschichte die Krone der besten Vereinsmannschaft des Landes auf und sang anschließend in der Kabine »Mama, ich bin verliebt, denn ich habe Maradona gesehen!« Wahrscheinlich stimmte das sogar. Es wird nur wenige Menschen in Neapel gegeben haben, die sich im Sommer 1987 nicht Hals über Kopf in diesen kleinen Lockenkopf aus Lanus verliebten.

Maradona war Weltmeister und sorgte im Alleingang dafür. Maradona wurde des Dopings überführt und war selbst daran Schuld. Man strafte den einst beliebtesten Fußballer der Welt mit Verachtung, Hohn und Spott. Maradona sprach verbittert fast poetische Worte: »Sie haben mir die Beine abgeschnitten!« Kaum hatten sie ihm seines Lebensinhaltes beraubt, fiel Diego tief und wäre fast an Fettsucht, Koks und Depression verreckt, wenn ihn nicht der Fußball gerettet hätte. Jetzt ist er zwar nur Trainer, und nicht mehr das Genie auf dem Rasen, aber der Sport hat ihn wieder und er die einzige Sucht, die nicht ungesund ist.