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3 Ecken ein Elfer
Zum Tode von Eia Krämer Drucken
Geschrieben von: Alex   
Montag, 15. Februar 2010 um 17:34

Das Ruhrgebiet hat schon viele Legenden kommen und gehen sehen. Seit Freitag gehört auch Werner »Eia« Krämer zum Kreis der toten Heroen. Mit 70 Jahren starb der ehemalige Nationalspieler in seiner Heimatstadt Duisburg.

 

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nicht. Den ersten Schultag. Den ersten Kuss. Oder die erste Flanke von »Eia« Krämer.


Hans Walitza, der immer noch unvergessene Torjäger vom VfL Bochum, kann sich noch ganz genau daran erinnern. »Aufstiegsrunde 1970, das erste Spiel gegen Kickers Offenbach. Auf rechts hat sich Eia durchgetankt und schlägt eine unglaubliche Flanke.« Walitza fliegt durch die Luft, erwischt den Ball mit dem Kopf und erzielt eines der schönsten Tore der Bochumer Fußball-Geschichte. »Ich habe den Arjen Robben am Wochenende gesehen«, sagt Walitza. »Ein fantastischer Spieler! Schnell. Eine enge Ballführung. Die Flanken wie Schüsse. So war Eia Krämer.«

 

Am vergangenen Freitag ist der Bundesliga-Held von einst verstorben. Der Dialysepatient war in seinen letzten Lebensjahren gesundheitlich so schwer gezeichnet, dass seine ehemaligen Mitspieler ihn fast nicht wieder erkannten. »Vor zwei Jahren trafen wir uns im Vorfeld des deutschen Länderspiels gegen die Schweiz«, erzählt Willi Schulz, der 1966 bei der Weltmeisterschaft und später beim Hamburger SV gemeinsam mit Krämer gegen den Ball trat, »wir gingen zum Frühstück und er zur Dialyse. Es war unglaublich traurig.«



»Wir gingen zum Frühstück, er zur Dialyse«


Beim 80. Geburtstag des Bochumer Ehrenpräsidenten Ottokar Wüst im Dezember 2005 steht natürlich auch Krämer auf der Gästeliste. »Als ich ihn sah«, erinnert sich Hans Walitza, »musste ich weinen. Er war so schwer gezeichnet.« Doch die Erinnerung an den Fußballer »Eia«, bleibt nicht nur den Veteranen erhalten. Erstmals auf der deutschen Fußball-Bühne im Sommer 1959, avanciert Krämer schnell zu einem der aufregendsten Offensivspieler der Oberliga West. Längst schon nennen ihn alle nur »Eia« und die Geschichte hinter dem so geheimnisvollen Spitznamen ist fast beschämend simpel: Seit der junge Werner Schulkameraden mit Eiern bombardierte, rufen ihn die Jungens aus der Nachbarschaft im tiefen Ruhrpott-Deutsch »Eia«.



1963 gehört er mit seinem Heimatverein Meidericher SV zu den Gründungsmitgliedern der neu geschaffenen Bundesliga und schenkt dem Karlsruher SC unter den Augen von Bundestrainer Sepp Herberger gleich mal zwei Hütten ein. »Er war schlichtweg genial«, schwärmt Schulz von dem Mann, den er in den ersten Jahren noch als Gegenspieler vor sich hatte. Für den Verteidiger eine grausame Aufgabe: »Er war so schnell, so trickreich und wenn er wollte ist einfach vom rechten auf den linken und dann wieder auf den rechten Flügel gewechselt.«

 
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Absturz des Heilands Drucken
Geschrieben von: Jerome Kirschbaum   
Dienstag, 02. Februar 2010 um 10:02

Er ward gekommen als Heiland – durch Handauflegen und seinen linken Fuß sollte er Köln in die Glückseligkeit führen. Viele lauffaule Auftritte, tausend torlose Minuten und viel Frust später wurde Lukas Podolski – und damit ganz Köln – geerdet. Aber noch ist der Kredit von Prinz Poldi nicht aufgebraucht, ein kölsches Phänomen.

 

Als Podolski nach München ging und sich dort unter diversen Trainern nicht durchsetzte, hagelte es neben Verständnis auch viel Kritik für Podolski. Er sei trainingsfaul, zeige nach Einwechslungen nicht die gewünschte Begeisterung und hänge ohnehin immer noch an seiner Heimat Köln. Er und seine wachsende Familie um Freundin Monica und Sohn Luis sehnten sich nach Köln und dem Dom. Mit dem Sommer 2009 kam dann die Erlösung für Podolski und die Stadt am Rhein: Klub, Fans und externe Geldgeber konnten eine Rückkehr des Nationalspielers realisieren. Auf den ersten Blick schien die Lage simpel, denn Podolski war da, wo er eigentlich nie hätte weggehen sollen, und der FC hatte einen überaus talentierten Stürmer zurück ins gelobte Rheinland geholt.

 

 Doch schon früh entgegneten Kritiker, Podolski könne an den horrenden Erwartungen nur zerbrechen. Die Krux ist: Podolski wurde von vornherein in eine Rolle gepresst, die er nicht ausfüllen konnte. Der 24-Jährige ist nicht die typische Führungsfigur, die vorneweg marschiert. Wenn es nicht läuft, taucht er vielmehr unter und hadert mit sich selbst. Solche Führungsvakanzen existierten in Köln bedingt, diese konnte Podolski seinem Naturell nach erwartungsgemäß nicht füllen.  Wenn er aber in ein System eingebunden ist, läuft er rund. Die regelmäßig guten Auftritte in der Nationalelf zeigen das. Dort zuckt sein linker Fuß, dann reißt er auch Löcher und lässt sich clever hängen. Das aber ist in Köln nicht wirklich gegeben. Er ist die Galionsfigur, die zwar Verantwortung übernehmen will, diesen Erwartungen auf dem Spielfeld aber nicht gerecht wird. Podolski reißt partiell die Partie an sich, lässt sich jedoch zu sehr nach hinten fallen und fehlt dann in der Offensive. Alls das fußt auch auf einem Versäumnis der Kölner Verantwortlichen, denn alle Transferbemühungen um einen kreativen offensiven Mittelfeldspieler platzten.